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Philipp Neri I.

SA

26. 05.

2018

Priester, Gründer des Oratoriums, 2. Apostel von Rom

 Portrait von Frederico Zuccari, 1593

Filippo Romolo de Neri wurde am 21. Juli 1515 in Florenz geboren und war Sohn eines Rechtsanwaltes und frühzeitig Waise. Er besuchte die Dominikanerschule seiner Vaterstadt, wo ihn deren Leiter, der später auf dem Scheiterhaufen verbrannte Savonarola, stark faszinierte. Bei einem Onkel absolvierte er eine dreijährige kaufmännische Lehre in der Nähe von Montecasino, wo er viel Zeit im Mutterkloster des Benediktinerordens verbrachte und vom klassischen Ideal des Einsiedlerlebens angesteckt wurde; er erlebte eine Bekehrung, die er als "Gabe der Inbrunst" schildert.

Arm und mittellos ging er 1533 nach Rom, dort war er 16 Jahre lang als Erzieher in einer Familie tätig. Er studierte Theologie und Philosophie, lernte Ignatius, den Gründer des Jesuitenordens, kennen und kümmerte sich um Arme und Kranke. Noch während des Studiums verkaufte er alle seine Bücher außer der Bibel, gab den Erlös den Armen und widmete sich der religiösen Unterweisung des Volkes auf der Straße. Entsprechend seinem sonnigen Naturell führte er heitere, witzige und schlagfertige Gespräche mit Straßenjungen und einfachen Leuten, aber auch mit Kaufleuten und Künstlern. Zunehmend wurden ihm mystische Gnadenbeweise zuteil, so in den Katakomben des Sebastian, wo sich zwei Rippen über seinem Herzen stark wölbten, ohne Schmerzen zu verursachen. Ohne Unterlass betete er, manchmal schlief er in einer Kirche, um auch im Schlaf Gott nahe zu sein.

1548 gründete Filippo gemeinsam mit seinem Beichtvater die "Bruderschaft der Heiligsten Dreieinigkeit", eine Gesellschaft von Laien

zur Betreuung von bedürftigen Rompilgern, Kranken und Armen. 1551 empfing Filippo die Priesterweihe und schloss sich bald darauf der Kirchengemeinde von San Girolamo della Carità in Rom an. Seine Versammlungen und Gottesdienste mit Lobliedern und Gebeten in der Volkssprache wurden so beliebt, dass über dem Kirchenschiff ein zusätzlicher Raum eingerichtet werden musste, um die wachsende Zuhörerschaft unterzubringen. In diesem Raum, dem "Oratorium" entstand eine Wohngemeinschaft Gleichgesinnter, innerlich zusammengehalten von gemeinsamem Glaubensgespräch, von Beten und Bibelbetrachtung. Das Oratorium wurde zum Mittelpunkt der Tätigkeit Filippo Neris, die auch geistliche Lieder umfasste, wovon sich der Begriff Oratorium als musikalische Gattung ableitet. 1552 gründete er seine Weltpriester-Kongregation der "Oratorianer", die 1575 vom Papst bestätigt wurde.

Zwischen 1564 und 1575 war Filippo auch Pfarrer der Kirche von San Giovanni, wo er ein weiteres Oratorium einrichtete. Er war Berater von Päpsten. Die ihm mehrfach angebotene Kardinalswürde lehnte er ab. 1575 begann er mit dem Bau der wuchtigen Kirche S. Maria in Vallicella, auch "Chiesa Nuova" genannt, die aber erst 10 Jahre nach seinem Tod   -  Philipp Neri starb am 26. Mai  1595 in Rom  -  fertig gestellt wurde; in ihr ist der goldene Schrein mit seinen Gebeinen zu finden. Zu seiner Beisetzung kam eine unübersehbare Menschenmenge; dass er beim Volk "Pippo buone", der "gute Philipp" genannt wurde, zeigt seine Beliebtheit. Filippo gilt als "der zweite Apostel Roms".